CoworKing Bonn | Sebastianstraße 38
+49 228 43399414
[email protected]
Jetzt buchen

Recap: Grill the Expert #3

Community Management und Social Media
Recap: Grill the Expert #3

Vergangenen Donnerstag fand zum dritten und letzten Mal in diesem Jahr das Event „Grill The Expert“ mit freundlicher Unterstützung der IHK Bonn/Rhein-Sieg im Coworking Space Bonn statt. Auch diesmal referierten wieder drei digitale Experten, die ihr Wissen dem interessierten Publikum präsentierten. Die kurzweilige Moderation zwischen den einzelnen Vorträgen übernahm erneut Max Callsen, Head of Search & Performance bei der Galeria Kaufhof GmbH.

Moderator Max Callsen

Andreas Jürgensen / juergensen.net

Den Anfang machte Andreas Jürgensen mit seiner Präsentation über das Potential von Communities. Der gelernte Fotoingenieur arbeitet seit 16 Jahren als Community Manager und realisierte bereits zahlreiche Fotografie-Communities, teilweise mit über 150.000 Usern. Er betonte die Struktur von Community Foren, in denen dank der Archiv-Funktion Diskussionsbeiträge auch noch Jahre später aufzufinden seien. Zudem sind Foren thematisch fokussiert und sprechen den Nutzer mit ihrer inhaltlichen Vorsortierung besonders an. Als besondere Stärke einer Community hob Jürgensen den Dialog und Austausch mit den Usern und potentiellen Kunden hervor. Es seien die Nutzer und deren Diskussionen, die ein Forum ausmachen. Gleichzeitig machte Jürgensen aber auch auf die Risiken und Schattenseiten von Communities aufmerksam. Als Community Manager ist der stete Dialog mit den Usern eine langfristige Verpflichtung.

Andreas Jürgensen von juergensen.net

Dennoch eröffnen Communityforen den Unternehmen erheblich mehr Chancen als Risiken, so Jürgensen. In Foren kann der Kunde gezielt beobachtet werden. Welche Produkte gefallen ihm? Welche nicht? Gibt es einen Shitstorm? So können Produkte oder Dienstleistungen entsprechend optimiert und weiterentwickelt werden. In internen Umfragen können potentielle Kunden zudem aktiv zu einzelnen Produkten, Preisen oder Services befragt werden. Auch könne man den Kunden Produkte testen lassen. Eine Community ist nicht nur ein Kommunikationskanal, sondern auch ein Wissenspool, in welchem Kunden anderen Kunden helfen. Der Referent lieferte dem Publikum sogar einen Bauplan für ein Community Forum. Zunächst müsse jeder für sich oder zusammen im Unternehmen evaluiert werden, ob das Potential einer Community überhaupt vonnöten sei. Falls also dauerhaftes Interesse an dem Thema vorhanden ist, ist die Konzeption der nächste Schritt. Hier geht es um die Struktur und das Design für die Community. Mit dem Launch wird die Eigendynamik in Gang gesetzt. Als Community Manager müsse der Fokus dabei stets auf die Heavy User, also regelmäßige Nutzer, gerichtet sein. Mit guten Anstößen würden sich schon bald Selbstläufer-Inhalte etablieren. Die wohl wichtigste Aufgabe eines Community Managers ist das Management des Forums. Nicht nur die Präsenz als Gastgeber ist bedeutend, auch müsse man mit der Moderation der Diskussionen stets für ein Gleichgewicht sorgen. Denn in Communities würden sich nicht nur Fans, sondern auch viele Kritiker bewegen. Jürgensens Empfehlung an künftige Community-Manager sei daher eine Halbdistanz, so dass Distanz und Nähe stets im Gleichgewicht sind.

Felix Neumann / katholisch.de

Felix Neumann von katholisch.de

Felix Neumann hielt seinen Vortrag über das Community Management auf der Facebook-Seite von katholisch.de. Seit 2014 ist der Politikwissenschaftler Social-Media-Redakteur beim Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland. Die Facebook-Seite katholisch.de hat die reichweitenstärkste christliche Social-Media-Präsenz im deutschsprachigen Raum. Sie versteht sich als journalistisches Portal, welches über die Kirche berichtet. Da die Artikel auf der Website von katholisch.de nicht kommentiert werden können, ist die Community auf der Facebook-Seite zugegen. Obwohl der Großteil der Community gar nicht genauer bestimmt werden kann, so Neumann, verfügt katholisch.de über eine Content-Marketing-Strategie, welche alle Inhalte genau festlegt, die über Facebook verbreitet werden sollen. Die Community von katholisch.de bezeichnet Neumann als „demokratische Öffentlichkeit“. Neumann betont, dass die Social Media Arbeit nicht nur Fachwissen brauche, sondern auch Menschlichkeit und Seelsorge-Kompetenz. Oft genug kämen von den Abonnementen Anfragen wie „Betet für uns“. Nicht nur die Präsenz sei bedeutend, sondern auch die Persönlichkeit, also als Person und Ansprechpartner für die Community da zu sein. Nutzer, die sich an Formen halten, aber dennoch streitlustig seien, würden die Community von katholisch.de ausmachen. Besonders solche User, welche die Social Media Redaktion entlasten, würden als Dankeschön positiv durch die Redakteure gestärkt.

Josephine Thiel / Aktion Mensch

Josephine Thiel von Aktion Mensch

Nach einer Pause, in es wieder einmal ein vielfältiges Finger Food Buffet vom Bonner Restaurant Matthieu’s zur Stärkung gab, folgte der dritte Vortrag von Josephine Thiel. Die Medien- und Sozialwissenschaftlerin ist seit 2014 Social-Media-Referentin bei der Aktion Mensch. Die Lotterie der Aktion Mensch realisiert die Förderung und Aufklärung von Projekten zum Thema Inklusion. Josephine Thiel lieferte dem Publikum sieben Tipps für die Social-Media-Arbeit mit gutem Inhalt. Als ersten erwähnte sie, sich ein Ziel zu setzen („Hab ein Ziel“). Nur so könne Reichweite generiert und eine gute Interaktion gestartet werden. Als zweiten Tipp nannte sie „der Nutzer ist König“. Der Inhalt müsse dem User einen Mehrwert bieten und relevant sein. So wird der Nutzer im Idealfall durch den Content geführt. Der dritte Tipp beinhaltete, „am Zahn der Zeit“ zu bleiben und aktuellen Content zu liefern. Nur wer sich richtig organisiere (viertens „Organisiere dich“), würde Erfolge wie Austausch und Dialog verzeichnen. Zu ihren Aufgaben als Social-Media-Referentin gehöre daher auch die Erstellung eines Redaktionsplans. Nicht nur das feste Team um Josephine Thiel, auch einige freie Mitarbeiter pflegen das Community Management der Aktion Mensch. Der fünfte Tipp „Vernetze dich“ zielt auf den Dialog zwischen User und Community Manager. Dabei überwiegt der Austausch gegenüber der reinen Informationswiedegabe. Mit dem sechsten Tipp „Zahlen bitte“ zielt Thiel darauf, Messwerte festzulegen und die KPIs (Key Performance Indicator) nachzuhalten. Am wichtigsten für die Arbeit mit Social Media ist aber laut Josephine Thiel der siebte Tipp: nämlich „Spaß und Leidenschaft“ daran zu haben Ansprechpartner zu sein und durch Authentizität und Glaubwürdigkeit hervorzustechen.

“Grill The Expert” Expertenpanel

Das Panel - Bonns digitale Expertenrunde

In der anschließenden Expertenrunde, in der die Moderationsfähigkeiten von Max Callsen besonders gut zum Ausdruck kamen, wurden die Referenten vom Publikum mit Fragen gegrillt. Die Erfahrungen und Erlebnisse mit Shitstorms und mögliche Zensuren interessierten die Zuhörer besonders. Felix Neumann erwähnte, dass Shitstorms gut kommunikativ aufgefangen werden könnten, indem Gegenpositionen und Argumentationsstrategien von positiven Usern die Diskussion bestärken würden. Die Referenten machten klar, dass freche Kommentare nicht immer sofort gelöscht werden, da diese Gegenargumente und Kommentare anderer User oftmals sehr gut seien und anderenfalls der Austausch unterbunden werden würde. Dennoch bestehe bei manchen Themen eine rechtliche Verpflichtung, Kommentare und Beiträge von Nutzern zu entfernen. Beispielweise bei Beleidigungen oder Holocaust-Leugnungen, so Neumann. Josephine Thiel berichtete von verschiedenen kontrovers diskutierten Meinungen zu einer Therapieform frühkindlichen Autismus. Andreas Jürgensen appellierte in besonderem Maße an die Eigenverantwortung der User. Es sei ferner eine psychische Frage, wie man als Community Manager mit Shitstorms umgehe. So solle man sich auf die positiven Äußerungen und Aspekte der Community konzentrieren, anstatt die negativen Kommentare zu nah an sich heranzulassen. Eine weitere Frage an die Experten war, ob ihr Beruf mit Geld oder an Umsatz zu messen sei. Ist Community Management nicht vielmehr Image-Arbeit? Dies bejahten die Referenten und Josephine Thiel erläuterte, der Social Media Kanal der Aktion Mensch sei kein Abverkaufskanal. Vielmehr gehe es darum, für das Thema Inklusion zu sensibilisieren. Da das Portal katholisch.de zu 100% Kirchensteuer finanziert ist, sei es entkoppelt von jeglicher Leistung, so Neumann. Auf die Frage von Max Callsen, wie die Experten ihre Daten der Community konkret verwerten, antwortete Neumann, dass die Facebookseite von katholisch.de quasi als „ Seismograph für Pressethemen“ angesehen werden könne. Andreas Jürgensen testet dagegen Produkte (Kameras) und liefert seinen Auftraggebern ein wöchentliches Reporting in redaktioneller Form. Die letzte Frage an die Experten war, wie es gelinge, Blogger und Influencer für sich und sein Produkt/ seine Dienstleistung zu gewinnen. Ein inhaltlicher Bezug sei dafür oberste Priorität. Jürgensen machte ferner auf die Tonalität aufmerksam, mit welcher man an diese herantritt. Ein „Bitte“, „Danke“ und „was kann ich im Gegenzug für dich tun?“ könne schon viele Türen öffnen.

Auch die dritte Ausgabe von Grill The Expert war ein voller Erfolg und die Zuhörer waren begeistert. Wer nicht anwesend sein konnte, kann das Event dank dem Live-Stream noch im Nachhinein genießen. Voller Spannung blicken wir nun ins Jahr 2017, in dem die Veranstaltungsreihe selbstverständlich fortgeführt werden soll. “Grill The Expert #4” findet am 16.03.2017 statt. Wer sich dieses Mal als Experte dem Publikum stellen darf, wird in Kürze auf der Website grilltheexpert.com bekannt gegeben.

Kommentar hinterlassen:

Haben Sie Fragen zu unseren Arbeitsplätzen oder Räumen, Kritik, Anregungen oder sonstige Anfragen? Wir freuen uns von Ihnen zu hören!
  • Telefon:

    +49 228 43399414
  • Email:

    [email protected]